Die Verweise links führen zu den SRF Sendungen "Kassensturz" und "Espresso".
KVA, Plastiksammlung und Fernwärme
KVA, Plastiksammlung und Fernwärme
Die SRF-Sendungen «Kassensturz» und «Espresso» haben in den vergangenen Tagen die Frage aufgeworfen, ob die geplante flächendeckende Kunststoffsammlung in der Schweiz die Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) in Schwierigkeiten bringen könnte – insbesondere mit Blick auf die Fernwärmeversorgung. Der VBSA nimmt dazu Stellung.
Kein Einfluss der Plastiksammlung auf die Fernwärme
Mit der neuen Verpackungsverordnung, die demnächst in Kraft treten wird, soll in der Schweiz ein einheitliches Sammelsystem für Kunststoffe eingeführt werden. Laut einer Studie des BAFU aus dem Jahr 2024 könnten damit bis zu 100'000 Tonnen Kunststoffabfälle jährlich gesammelt werden. Besorgte Bürgerinnen und Bürger fragten daraufhin beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» nach, ob den KVA dadurch der Brennstoff für die Fernwärme ausgehe.
Robin Quartier, der Geschäftsführer des VBSA, erklärt: „Die Kunststoffsammlung wird keinen Einfluss auf die Wärmeproduktion der KVA haben. Dazu sind die gesammelten Mengen zu gering.“
Höchstens 100'000 Tonnen – ein vergleichsweise kleiner Anteil
In mehreren Regionen werden Kunststoffverpackungen aus Haushalten bereits seit Jahren separat gesammelt. Dies hat jedoch keine spürbaren Auswirkungen auf den Betrieb der örtlichen KVA, da die gesammelten Mengen erfahrungsgemäss relativ klein bleiben. Zum Vergleich: Die 29 Schweizer KVA verbrennen jährlich über vier Millionen Tonnen Abfälle. Selbst die optimistischsten Schätzungen gehen nur von maximal 100.000 Tonnen separat gesammeltem Plastik aus. Dies entspräche maximal 2,5 Prozent der Gesamtmenge, die in KVA verbrannt wird.
Zu beachten ist ausserdem, dass nur etwa die Hälfte der gesammelten Verpackungen stofflich recycelt werden kann. Der nicht stofflich verwertbare Anteil wird aussortiert und thermisch verwertet – in KVA oder Zementwerken.
KVA verfeuern kein Heizöl
Kunden von Fernwärmenetzen, die ihre Rechnung genau prüfen, können nachverfolgen, wie die Wärme erzeugt wird. In den grossen Schweizer Städten ist die lokale KVA oft die Hauptwärmequelle für das Fernwärmenetz. Aufmerksame Kunden stellen jedoch auch fest, dass ein Teil der Wärme mit Heizöl oder Gas erzeugt wird. Heisst das, dass die KVA auch Heizöl verbrennt?
Nein, die KVA verbrennt kein Heizöl! In den speziell zur Abfallverbrennung konzipierten Öfen brennt der Abfall sehr gut von allein, selbst dann, wenn zuvor Plastikverpackungen aussortiert wurden.
An sehr kalten Wintertagen kann es jedoch vorkommen, dass die volle Wärmeleistung der KVA nicht ausreicht, um den erhöhten Wärmebedarf des Fernwärmenetzes allein zu decken. Um die Verbrauchsspitzen abzudecken, müssen dann zusätzliche Wärmequellen kurzfristig eingeschaltet werden.
Diese zusätzlichen Wärmequellen, die sogenannten Spitzenlastkessel, werden in der Regel mit Erdgas oder Heizöl betrieben. Es handelt sich dabei aber um separate Anlagen. Oft befinden sich solche Heizzentralen nicht einmal auf dem gleichen Gelände wie die KVA.
In grossen Fernwärmenetzen wird Heizöl in separaten Spitzenlastkesseln für die Abdeckung von Verbrauchsspitzen eingesetzt. Heizöl wird nie als Stützbrennstoff in der KVA eingesetzt.